IRLEN-Methode

Theoretisches Erklärungsmodell

Beim IRLEN-Syndrom handelt es sich um eine lokalisierbare und behandelbare visuelle Wahrnehmungsstörung. Das IRLEN-Syndrom ist eine Überempfindlichkeit gegen eine oder mehrere Frequenzen des Lichtspektrums. Der Hauptstörfaktor des Syndroms ist in einem anomalen Verarbeitungsmechanismus bestimmter Wellenlängen des Lichtes zu finden.

Ansatz für Legasthenie/Dyskalkulie

Eine erfolgreiche Behandlung des Irlen-Syndroms nach der Irlen-Methode (Anwendung von farbigen Irlen Folien oder Vorgabe von Brillen mit individuell ermittelten Farbfiltern), kann sich umfassend auf Lesen und Lernen auswirken. Dank der IRLEN Farbfilter reduziert sich der visuelle Stress. Dadurch ergeben sich neue Rahmen­be­dingungen für das Sehen und damit für visuelle Lernprozesse. Subjektive Beschwerden vermindern sich oder verschwinden ganz. Die Auswirkungen der korrekten Filtergläser sind für Therapeuten und Betroffene unmittelbar erfahrbar.

Wirkung der Therapie

Eine erfolgreiche Irlen-Behandlung, die die visuelle Wahrnehmung normalisiert, erlaubt folgende Effekte:


·        Bessere Lesegenauigkeit

·        Besseres Leseverständnis

·        Erhöhte Lesegeschwindigkeit

·        Mehr Freude am Lesen

·        Bessere räumliche Orientierung

·        Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit

·        Bessere schulische Leistungen

·        Weniger Anstrengung und Ermüdung beim Lesen

·        Effektiveres Lernen

·        Mehr Selbstachtung


Für wen geeignet

Kinder und Erwachsene (Kinder im Vorschulalter nach Absprache) mit dyslexischen Symptomen, Legasthenie, Dyskalkulie, ADD, AD(H)D oder Autismus, aber auch bei allgemeinen visuellen Wahrnehmungsstörungen und asthenopischen[1] Beschwerden.

Auf wen geht die Therapieme­thode zurück?

Helen Irlen, eine amerikanische Schulpsychologin, entdeckte im Rahmen eines Forschungsprojektes (Ursachen von Leseschwächen) neue und effiziente Behandlungsmethoden.

Die Anwendung von Folien zeigte, dass es sich um eine spezifische Störung handelt, die bei vielen Personen als Ursache der Leseschwäche zu betrachten ist. Die weitere Forschung enthüllte tatsächlich einen Symptomkomplex, der als Scotopic Sensivity Syndrom bezeichnet wurde. Heute wird er kurz Irlen-Syndrom genannt. Da sich das IRLEN-Syndrom nicht nur auf das Lesen auswirkt, sondern auch die allgemeine visuelle Wahrnehmung beeinträchtigt, wurde in der Folge die IRLEN-Methode durch die Diagnose und Behandlung mit farbigen Filtergläsern erweitert.

Ausbildung/Ab­schluss

Bei der IRLEN-Methode handelt es sich um ein patentiertes Verfahren, das durch lizenzierte Screener und Diagnostiker durchgeführt wird. Die Fachleute werden nach den Richtlinien des Irlen Institutes, Long Beach CA, USA ausgebildet.

Die meisten Irlen Fachleute verfügen in der Regel über eine pädagogisch/psychologische Berufsausbildung. Die IRLEN-Methode unterscheidet 2 Stufen:

1.       Irlen Screening (Vorabklärung, Anwendung von farbigen Folien)

Die Ausbildung zum Irlen Screener oder Screenerin erfolgt über autorisierte Irlen Diagnostiker. Dauer: 3 Tage (2 Tage Ausbildung, 1 Tag Fallbesprechungen) mit zusätzlichem Studium von Fachliteratur und Praxis. Bei erfolgreichem Abschluss wird ein Zertifikat des Irlen Instituts, Long Beach CA, USA abgegeben. Damit ist die Person autorisiert die Methode anzuwenden.

2.       Irlen Diagnostik und Behandlung (Abklärung mit Filtergläsern, Abgabe von Filterbrillen)

Nach längerer Erfahrung als Irlen Screener ist die Weiterausbildung zum Irlen Diagnostiker möglich. Die Eignungsabklärung erfolgt durch Fachleute des Irlen Instituts.

Voraussichtliche Dauer der Therapie

Irlen Screening (Vorabklärung mit Folien) 1 - 2 Stunden

Diagnose (Filterabklärung) 3 - 6 Stunden. Bei Bedarf Nachkontrollen.

Ablauf der Therapie

Voruntersuchung (Irlen Screening)

In einer standardisierten Voruntersuchung (Screening) wird festgestellt, ob ein IRLEN-Syndrom vorliegt. Mit der ermittelten Farbfolie kann das Lesen oft deutlich erleichtert werden.

Diagnose und Vermittlung der Filtergläser

Mit einem strukturierten Verfahren (Irlen Diagnose) wird geklärt, ob mit speziellen Filtergläsern das IRLEN-Syndrom umfassender behandelt werden kann. Ist dies der Fall, werden unbehandelte Brillengläser aus Kunststoff (Qualität CR 39) an das IRLEN Instituts in den USA geschickt. Im Labor des Instituts werden die Brillengläser in der individuell ermittelten Farbe eingefärbt.

Kosten

Vorabklärung (Irlen Screening) CHF 140.00,

Diagnose inklusive 1 Nachkontrolle innerhalb 6 Monaten CHF 600.00

Individuelles Einfärben der Brillengläser CHF 200.00 - CHF 250.00

Anteil Versandkosten nach USA ca. CHF 50.00.

Dazu kommen die normalen Kosten für die Brille und die Korrekturgläser (unbehandelte Kunststoffgläser in färbbarer CR39 Qualität).

Übernahme durch Krankenkasse oder IV

Da die Methode noch wenig bekannt ist, werden die Kosten in der Regel nicht übernommen. In Einzelfällen wurden bisher Beiträge an die Brille geleistet.

Verbreitung bei Legasthenie/Dys­kalkuliethera­peutinnen

Die Methode ist noch sehr neu. Zur Zeit gibt es 3 ausgebildete Irlen Screener (nicht alle aktiv) und 1 Irlen-Diagnostiker in der Schweiz.

Mitarbeit der Eltern/Betreuer

Es ist sehr wertvoll, wenn die Eltern/Betreuer beim Screening und bei der Diagnose dabei sind. So können sie die Veränderungen durch die Folien und Filter unmittelbar miterleben. Bei Personen ohne Sprache können die Begleit­per­sonen nonverbale Veränderungen mitbeobachten.

Aufwand zu Hause

Der Nutzen der IRLEN Methode wird durch die Verwendung der Folien und/oder das Tragen der IRLEN-Filtergläser erreicht. Es ist wichtig zu betonen, dass die IRLEN-Methode weder Legasthenie- noch Dyskalkulietherapie ist. Mit den Folien oder Filtergläsern wird die Basis für eine störungsfreie oder störungsreduzierte visuelle Wahrnehmung hergestellt, eine Voraussetzung für beschwerdefreies Lernen. Laufende Therapien müssen unbedingt weitergeführt werden. Oft können andere Therapien erst dank der Irlen Behandlung erfolgreich werden.

Hilfsmaterial

Beim Screening wird mit Irlen Folien gearbeitet. Die Folien in der er­mittelten Farbe werden auf den Text gelegt und damit wird das Lesen bei Menschen mit IRLEN-Syndrom erleichtert.

Die Irlen Filterbrille erlaubt die gestörte visuelle Wahrnehmung zu reduzieren oder zu beseitigen.

Medikamentöse Begleitung

Wer Medikamente nimmt, sollte den Arzt informieren, dass Irlen Filter getragen werden. Die Dosis ist möglicherweise anzupassen.

Einsatz auch für Laien geeignet/möglich

Eine Ausbildung als Screener wird sehr empfohlen. Mit diesen theoretischen und praktischen Grundlagen lässt sich diese wichtige Vorabklärung professionell durchführen.

Möglichkeit zur Integration in den Schulunterricht.

Die Irlen Folien können ohne Probleme beim Lesen eingesetzt werden. Die Filterbrille wird wie eine andere Brille getragen. Es ist notwendig, dass die Lehrkräfte und die Mitschüler im voraus informiert und dokumentiert werden. Es gibt auch spezielle Fragebogen zur Evaluation der IRLEN-Methode im Klassenunterricht.

Empfohlene Literatur

Irlen Helen, Lesen mit Farben, Bei Dyslexie und anderen Leseschwierigkeiten helfen: Die Irlen-Methode, VAK, Freiburg im Breisgau, 1997

Rhonda Stone, The Light Barrier, A Color Solution to Your Childs's Light-based Reading Difficulties, Nicole Vines, St. Martins's Press, New York, 2002

Kontaktadressen

IRLEN Center Schweiz, Fritz Steiner, Irlen Screener und Diagnostiker, Screener Ausbildung, Bahnhofstr. 34, 4143 Dornach
Telefon: 061 701 57 92, Mobile: 079 692 02 64
e-mail: fritz.steiner@irlen.ch  - Homepage: httw://www.irlen.ch 

IRLEN Institute, 5380 Village Road, Long Beach CA 90808 USA
Homepage: httw://www.irlen.com 

 

Wirbel-Effekt (Irlen Helen 1997)

 

Auswasch-Effekt (Irlen Helen, 1997)

 



[1] Augenbeschwerden infolge Überbeanspruchung